BGH verhandelt über Rückerstattung von Verlusten aus illegalem Online-Glücksspiel
Carlo Krause · Sep 20, 2026

BGH verhandelt über Rückerstattung von Verlusten aus illegalem Online-Glücksspiel

Hintergrund der Verfahren vor dem BGH
Der Bundesgerichtshof führte im September 2026 mündliche Verhandlungen in den Rechtssachen I ZR 216/25 und I ZR 78/25 durch, die sich mit Rückforderungsansprüchen von Spielern wegen Verlusten aus früher illegalen Online-Glücksspielangeboten befassen, wobei Anbieter wie Tipico Games und PokerStars im Mittelpunkt stehen, während eines der Verfahren als Leitentscheidungsverfahren ausgewiesen wurde und damit potenziell richtungsweisend für zahlreiche weitere Klagen im Gesamtwert von mehreren Milliarden Euro wirken kann.
Die Verhandlungen knüpfen an ein EuGH-Urteil aus dem Jahr 2026 an, das die deutschen Beschränkungen für Online-Glücksspiel vor 2021 bestätigte und damit den rechtlichen Rahmen für die nationalen Verfahren vorgab, wobei Richter und Anwälte die Auswirkungen auf bestehende Schadensersatzklagen erörterten und die genaue Tragweite der EuGH-Entscheidung für deutsche Gerichte prüften.
Details zu den anhängigen Fällen und den beteiligten Parteien
In den beiden Verfahren geht es um Spieler, die Verluste aus Online-Casino- und Pokerangeboten geltend machen, die vor Inkrafttreten des neuen Glücksspielstaatsvertrags als illegal galten, und die nun Rückerstattungen von den Betreibern fordern, während die BGH-Richter die Frage klären, ob solche Ansprüche auf Basis nationalen Rechts durchsetzbar bleiben, nachdem der EuGH die alten Beschränkungen für mit EU-Recht vereinbar erklärte.
Tipico Games und PokerStars treten als Beklagte auf, und ihre Vertreter argumentierten vor dem Senat, dass die damaligen Angebote nicht automatisch zu Erstattungsansprüchen führen, während Klägerseite auf die Unwirksamkeit von Verträgen im illegalen Bereich verweist und damit eine breite Wirkung für vergleichbare Fälle anstrebt, die derzeit vor verschiedenen Instanzen anhängig sind.

Mögliche Auswirkungen auf weitere Klagen und den Gesamtmarkt
Als Leitentscheidungsverfahren kann das eine Verfahren Maßstäbe für Tausende ähnlicher Fälle setzen, bei denen Spieler Verluste aus der Zeit vor 2021 zurückverlangen, und Beobachter verweisen auf die Dimension von potenziell mehreren Milliarden Euro, die bei einer einheitlichen Rechtsprechung in Bewegung geraten könnten, während Gerichte in ganz Deutschland auf die BGH-Entscheidung warten, um eigene Verfahren zu entscheiden.
Die Verhandlungen beleuchteten zudem die praktische Umsetzung der EuGH-Vorgaben in deutschen Zivilverfahren, wobei Prozessvertreter beider Seiten detaillierte Schriftsätze einreichten und Richter Fragen zur Abgrenzung zwischen erlaubtem und verbotenem Glücksspiel sowie zur Verjährung von Ansprüchen stellten, die für die künftige Handhabung solcher Fälle entscheidend sein werden.
Rechtliche Einordnung und bisherige Entwicklungen
Die EuGH-Entscheidung aus dem Frühjahr 2026 hatte die deutsche Regelung vor 2021 als mit EU-Recht vereinbar eingestuft und damit den Boden für die nationalen Verhandlungen bereitet, während der BGH nun prüft, wie diese europäische Vorgabe auf zivilrechtliche Rückforderungen anzuwenden ist und welche Konsequenzen sich für Anbieter und Spieler ergeben.
Experten aus der Anwaltschaft und der Glücksspielbranche verfolgen den Prozess aufmerksam, da eine klare Leitentscheidung Unsicherheiten bei laufenden Verfahren beseitigen und die Anzahl künftiger Klagen beeinflussen könnte, wobei Daten aus vergleichbaren Verfahren in anderen EU-Staaten zeigen, dass solche Urteile oft zu einer Konsolidierung von Ansprüchen führen.
Die mündlichen Verhandlungen fanden vor dem ersten Zivilsenat statt, und die Richter hörten sowohl die Argumente der Kläger als auch der Beklagten an, während zusätzliche Schriftsätze und Stellungnahmen von Verbänden eingingen, die den wirtschaftlichen Kontext der Online-Glücksspielbranche vor und nach der Regulierung beleuchten.
Ausblick auf die Entscheidung und weitere Verfahrensschritte
Das Urteil wird in den kommenden Monaten erwartet und könnte weitreichende Folgen für die Abwicklung von Verlustrückforderungen haben, wobei die Verfahrensbeteiligten auf eine zügige Klärung drängen, um Rechtssicherheit für alle Betroffenen zu schaffen und die Belastung der Gerichte durch Massenverfahren zu reduzieren.
Die aktuelle Entwicklung zeigt, wie eng nationale und europäische Rechtsprechung miteinander verzahnt sind, und die BGH-Verhandlungen dienen als Schnittstelle zwischen beiden Ebenen, während weitere Instanzen auf die Leitentscheidung warten, um eigene Fälle abschließen zu können.
Schlussfolgerung
Die Verhandlungen vor dem BGH in den genannten Verfahren markieren einen wichtigen Schritt bei der Klärung von Rückerstattungsansprüchen aus illegalem Online-Glücksspiel und könnten als Leitentscheidung die Bearbeitung ähnlicher Fälle in ganz Deutschland beeinflussen, wobei das EuGH-Urteil aus 2026 den rechtlichen Rahmen vorgibt und die beteiligten Unternehmen sowie die klagenden Spieler auf die endgültige Entscheidung warten.